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Reparaturkultur und zirkuläre Textilien als Triebkräfte der lokalen Kreislaufwirtschaft in Deutschland

Als erste offizielle FAB-Region in Deutschland entwickelt sich das bergische Städtedreieck Wuppertal, Solingen und Remscheid zu einem realen Testfeld für einen ko-kreativen Übergang zu einer zirkulären, nachhaltigen, widerstandsfähigen und lokal produktiven Region. Aber was für einen Unterschied kann eine starke Reparaturkultur und Rundtextilien wirklich machen?

Städte und Regionen werden zu Orten, an denen sinnvolle Veränderungen beginnen. Zwei aktuelle Initiativen unserer FAB-Region Projekt zeigen, wie ko-kreative und gemeinschaftsgetriebene Innovationen den Übergang zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft beschleunigen können. Beide Initiativen zeigen, wie Reparatur, Wiederverwendung und kommunale Beteiligung die lokale Wertschöpfung, nachhaltiges Verhalten und den sozialen Zusammenhalt stärken. Sie bieten auch Ansätze, die auf andere Fab Cities und Regionen weltweit übertragen werden können.

Aufbau einer Kultur des Reparierens: NRW Repair Wuppertal 2.0

Ein Netzwerktreffen NRW 2.0 (Netzwerktreffen Reparatur Wuppertal) brachte Reparaturcafés, offene Werkstätten und andere zivilgesellschaftliche Initiativen aus ganz Nordrhein-Westfalen (NRW) zusammen. Die Veranstaltung fand in zwei Reparaturräumen in Wuppertal statt, Arrenbergstatt und Brockenhaus. Was wir sahen, war nicht nur eine Versammlung von Tüftlern, sondern eine Demonstration, wie eine Bottom-up-Infrastruktur zu Peer-to-Peer-Lernen, kollektivem Handeln und gemeinschaftlichem Handeln beiträgt.

Die Teilnehmer berichteten, was sie tun, um Geräte wieder zum Leben zu erwecken und die Produktlebensdauer zu verlängern - Praktiken, die in einer Welt mit fragilen Lieferketten immer wichtiger werden.

Die Reparatur der sozialen Infrastruktur

Eine Live-Demonstration des Elektroexperten Lars Gauster zur schnellen Fehlerdiagnose zeigte, wie technisches Fachwissen zugänglich gemacht und gefördert werden kann, anstatt es auszuschließen. Bei den Diskussionen am Nachmittag ging es nicht nur um Werkzeuge und Techniken, sondern auch um die strukturelle Seite: Wie können gemeinschaftlich betriebene Reparaturinitiativen geeignete Räume finden, junge Mitglieder gewinnen, die Finanzierung sichern und messbare soziale und ökologische Auswirkungen zeigen.

Aus diesen Gesprächen ging eine gemeinsame Erkenntnis hervor: Reparieren ist eine soziale Infrastruktur. Sie schafft Vertrauen, generationenübergreifendes Lernen und ein Gefühl der Handlungsfähigkeit - Eigenschaften, die für widerstandsfähige Fab-Städte und -Regionen unerlässlich sind.

Die Gruppe hat sich vorgenommen, einen neuen Kommunikationskanal einzurichten, die Arbeit an ersten gemeinsamen Projekten aufzunehmen und einen regelmäßigen Online-Austausch zu planen. Für die globale Fab-City-Gemeinschaft ist dies ein Beispiel dafür, wie eine regionale Vernetzung kleine, lokale Reparaturmaßnahmen in ein skalierbares Ökosystem verwandeln kann.

Stärkung der zirkulären Textilien: Der Secondhand-Rundtisch

Textilien sind einer der Kernsektoren des Projekts FAB Region. Um die lokale Kreislaufwirtschaft voranzutreiben, haben wir unser erstes Secondhand-Rundtisch in Wuppertal, die Secondhand-Läden, Sozialunternehmen, Organisationen mit Schwerpunkt Wiederverwendung und Upcycling-Initiativen zusammenbringt.

Die Gruppe hob zwei große systemische Herausforderungen hervor:

Die Bewirtschaftung von nicht tragbaren Textilien, die die regionalen Akteure derzeit überfordert

Bis zu 60% der eingehenden Spenden sind unbrauchbar, was zu erheblichen Kosten, Arbeitsaufwand und logistischen Herausforderungen führt. Der Aufstieg der ultraschnellen Mode hat das Problem noch verschärft, da das System mit minderwertiger Kleidung überschwemmt wird, die nicht weiterverkauft oder upgecycelt werden kann. Die Teilnehmer waren sich einig, dass die Region dringend neue Verwertungswege benötigt, z. B. lokale Recyclinganlagen, stabile Partnerschaften für Downcycling und Textil-zu-Textil-Recycling sowie die gemeinsame Beschaffung von Sortierdiensten.

Die (mangelnde) Sichtbarkeit von Secondhand-Textilien, die immer noch unter veralteten Vorstellungen leidet

Viele Läden sind nur begrenzt sichtbar, haben ein bescheidenes Ladendesign und ein öffentliches Image, das den Zugang zu breiteren Kundengruppen einschränkt. Die Sensibilisierung für qualitativ hochwertige Secondhand-Bekleidung ist nicht nur ökologisch, sondern auch wirtschaftlich von großer Bedeutung, da diese Läden oft eine Schlüsselrolle bei der sozialen Eingliederung und der lokalen Beschäftigung spielen.

Wie die FAB-Region Lösungen schafft

Um diesen Herausforderungen zu begegnen, arbeitet das Projekt FAB Region an verschiedenen Lösungen. Ein Beispiel könnte die Einrichtung eines zentralen Textilzentrums sein, in dem Kleidung und andere Textilien als wertvolle Materialien verarbeitet und recycelt werden können. Wir sind aktiv auf der Suche nach geeigneten Geschäftsmodellen für diesen Zweck. Darüber hinaus entwickelt die FAB-Region Kommunikationsmittel wie Flyer und digitale Lösungen, um auf alle Secondhand-Initiativen in der Region aufmerksam zu machen. Unser kommendes FAB-Festival im Herbst 2026 wird stattfinden mit Reparatur und Wiederverwendung als zentrale Themen.

Erfahren Sie mehr über den nächsten Secondhand-Rundtisch, der am 3. März 2026 stattfindet hier lesen..

Ausblick: Ein Modell für andere Fab Cities und Fab Regions

Das Dreieck FAB Region Bergisch City ist noch in Arbeit, aber solche Initiativen zeigen bereits, wie Bottom-up-Engagement, kommunales Engagement und zirkuläre Infrastruktur die Zirkularität auf lokaler Ebene beschleunigen und die Mission der Fab City voranbringen können.

Indem wir diese Geschichten mit der globalen Fab-City-Gemeinschaft teilen, hoffen wir, zu einem tieferen Verständnis dafür beizutragen, wie sich Regionen, insbesondere solche mit einem starken industriellen Erbe, durch gemeinschaftsgeführte Kreislaufwirtschaft neu erfinden können. Unsere Erfahrung zeigt, dass der Übergang zu einer regenerativen, lokal produktiven Zukunft mit Menschen beginnt, die gemeinsam reparieren, Materialien gemeinsam überdenken und neue Formen der Zusammenarbeit aufbauen.

Wir freuen uns darauf, mit anderen Städten und Regionen weltweit in Kontakt zu treten, um Methoden auszutauschen, gemeinsam Instrumente zu entwickeln und die globale Bewegung für eine verteilte, nachhaltige und widerstandsfähige urbane Zukunft zu stärken.

Für weitere Fragen kontaktieren Sie bitte Nils Kreft.

Abbildung im Text: Janina Zogass - Bergische Gesellschaft

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