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Resilienz: Nicht nur ein weiteres Modewort

Die letzten Jahre haben gezeigt, wie schnell Annahmen umgestoßen werden können: von der Rückkehr globaler Pandemien über Kriege auf europäischem Boden bis hin zu plötzlichen Verschiebungen in geopolitischen Bündnissen. Parallel dazu werden die Auswirkungen des Klimawandels immer deutlicher sichtbar: extreme Wetterereignisse nehmen zu, der Meeresspiegel steigt und die Ökosysteme sind einer noch nie dagewesenen Belastung ausgesetzt.

Diese Herausforderungen und Ungewissheiten betreffen Menschen, Unternehmen und Institutionen. Wie sollen wir also durch dieses Labyrinth der Krise navigieren? Ein Ansatzpunkt ist Stärkung unserer Widerstandsfähigkeit.

Resilienz hat viele Formen, von der mentalen Stärke des Einzelnen und der Kontinuität des Unternehmens bis hin zur Fähigkeit von Lieferketten, Störungen zu widerstehen, und zur allgemeinen Sicherheit. Es geht darum, Herausforderungen zu erkennen und zu verstehen und das Vertrauen und die Fähigkeit zu haben, im Bedarfsfall wirksam zu handeln.

Kreislaufwirtschaft zur Abmilderung der geopolitischen Ungewissheit

Resilienz funktioniert nicht isoliert, sondern ist eng verwoben mit Nachhaltigkeit, biologische Vielfalt, und wie wir unsere Volkswirtschaften organisieren.

Die Kreislaufwirtschaft veranschaulicht dies gut. Indem wertvolle Materialien im Kreislauf gehalten werden, können Unternehmen - insbesondere solche, die auf kritische Mineralien, seltene Erden oder Metalle angewiesen sind - einen bedeutenden Grad an Selbstversorgung erreichen und die Abhängigkeit von fragilen globalen Lieferketten verringern. Ebenso stärkt der Übergang zu erneuerbaren Energien die Unabhängigkeit von geopolitischen Unsicherheiten.

Wo biologische Vielfalt auf Resilienz trifft

Auch die Agenden der Nachhaltigkeit und der biologischen Vielfalt überschneiden sich zunehmend mit dieser Risikologik, nicht nur, weil Ökosysteme und ihre Leistungen die Gefährdung und Anfälligkeit beeinflussen, sondern auch, weil die “Arbeit mit der Natur” messbare Vorteile für die Verringerung des Risikos von Naturkatastrophen und die Anpassung daran bringen kann. Dies ist nicht nur ein Umweltargument: Die biologische Vielfalt hat ihren Weg in die nationalen Sicherheits- und Verteidigungsstrategien gefunden, wo sie als systemisches Risiko eingestuft wird, das ein ganzes Netz von Bedrohungen auslösen kann - vom Verlust von Rohstoffen bis hin zu regelrechten Konflikten um Ressourcen.

Die biologische Vielfalt und die Ökosystemleistungen werden heute in wichtigen wissenschaftlich-politischen Synthesen als wesentlich für das menschliche Wohlergehen und politische Entscheidungen behandelt. Die zwischenstaatliche Plattform für Wissenschaft und Politik über biologische Vielfalt und Ökosystemleistungen (IPBES) beispielsweise betrachtet die Beiträge der Natur als entscheidungsrelevante Wissensgrundlage und nicht nur als Naturschutzanliegen. In der Katastrophenvorsorge wird dies konkret durch Naturbasierte Lösungen (NbS) und ökosystembasierte Ansätze: Das Büro der Vereinten Nationen für Katastrophenvorsorge (United Nations Office for Disaster Risk Reduction, UNDRR) dokumentiert, dass NbS vielfältige Vorteile bieten kann, darunter die Erhaltung der biologischen Vielfalt, die Abschwächung des Klimawandels bzw. die Anpassung an den Klimawandel und die Verbesserung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Katastrophen, und verknüpft diese Logik des “Arbeitens mit der Natur” mit der Umsetzung des Sendai-Abkommens der UNDRR zur Katastrophenvorsorge neben anderen globalen Rahmenwerken.

Widerstandsfähigkeit und Bereitschaft als Schlüsselfaktoren für die Geschäftskontinuität

Auf Unternehmensseite institutionalisiert die Kontinuitätsplanung die Widerstandsfähigkeit, indem sie Unterbrechungen in einen kontrollierten Betriebszustand verwandelt, weshalb ISO 22301 ist als Sicherheits- und Ausfallsicherheitsstandard für Business-Continuity-Management-Systeme konzipiert. Unternehmen sind auf öffentliche Infrastrukturen und öffentliche Dienste angewiesen, während Regierungen und Gemeinden bei kritischen Funktionen auf private Betreiber angewiesen sind, was die Koordinierung und Zusammenarbeit von öffentlichen Diensten, Militär, Notdienstorganisationen und Gemeinden erfordert.

Die Kontinuität des Unternehmens hängt auch von der sozialen Stabilität ab: Wenn Mitarbeiter ihre Aufgaben nicht erfüllen können, weil sie zwischen der Bewältigung einer drohenden Gefahr und der Versorgung ihrer Familien hin- und hergerissen sind, geraten die Unternehmen ins Wanken. Dies wiederum kann zu weiterer Instabilität führen, und das System gerät in einen Teufelskreis.

Resilienz erfordert Systemdenken

Wenn Resilienz als Systemeigenschaft behandelt wird (und nicht als Aufgabe eines einzelnen Akteurs), können Investitionen, die die Kontinuität wesentlicher Funktionen verbessern - sei es durch die Gestaltung der Infrastruktur, durch Governance-Regelungen oder die Wiederherstellung von Ökosystemen - gleichzeitig die Sicherheit, den Katastrophenschutz und die gesellschaftliche Resilienz und Bereitschaft stärken. In Krisenzeiten ist es entscheidend, Hand in Hand zu arbeiten - dies erfordert Vertrauen und geschulte Routinen.

Wir stecken gemeinsam drin, und nur so werden wir widerstandsfähig.

Resilienz ist am stärksten, wenn die Akteure gemeinsam die Gefährdung und Anfälligkeit verringern und gleichzeitig die Reaktions- und Wiederherstellungskapazitäten stärken.

Im CSCP denken wir seit 20 Jahren in Systemen. Die Arbeit mit unterschiedlichen Akteuren, auch mit solchen, die an ganz verschiedenen Stellen ansetzen, ist zu einer unserer besonderen Stärken geworden. Dies ist eine wesentliche Voraussetzung, um Resilienz zu erreichen: Brücken bauen, die den Menschen helfen, unabhängig von ihrem Standpunkt gemeinsam nach Lösungen suchen, die allen zugute kommen.

Möchten Sie mit uns zusammenarbeiten, um widerstandsfähige Gesellschaften zu ermöglichen? Erreichen Sie Dr. Esther Heidbüchel um das Gespräch zu beginnen!

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