Warum das Aufzeigen von Schwachstellen und blinden Flecken zu einer Quelle des Vertrauens und der Innovation werden kann Alexander Mannweiler, Leiter des Bereichs „Nachhaltiges Wirtschaften und Unternehmertum“, beschäftigt sich intensiv mit dem Thema Resilienz in Städten, Unternehmen und Gemeinden. In diesem Beitrag erläutert er, warum wir den Schritt von der bloßen Konfrontation mit Risiken hin zu eigenem Handeln vollziehen müssen und wie dies gelingen kann. “Über Schwachstellen oder blinde Flecken nachzudenken, ist keine besonders positive Übung. Zumindest nicht auf den ersten Blick. Wenn Resilienz jedoch nicht nur als Krisenreaktion betrachtet wird, stellt das Aufzeigen von Schwachstellen einen Mehrwert dar. Es ist eine Möglichkeit für Organisationen, ihre Abhängigkeiten zu verstehen, ihre Schwächen aufzudecken, Beziehungen zu stärken und Innovationen voranzutreiben.” Vorbereitung bedeutet, zur richtigen Zeit die richtigen Fragen zu stellen In einer Welt, die von sich überschneidenden Krisen geprägt ist, ist Resilienz nicht mehr nur ein „Nice-to-have“. Sie wird zu einer praktischen Notwendigkeit. Risiken, die einst fern oder außergewöhnlich erschienen, prägen heute alltägliche Entscheidungen: Territorialkonflikte, Klimawandel, Verlust der Artenvielfalt, Handelsstörungen und steigende Zölle beeinflussen Lieferketten, Investitionsentscheidungen, öffentliche Dienstleistungen sowie den täglichen Betrieb von Städten, zivilgesellschaftlichen Organisationen und Unternehmen. Auch die Politik bewegt sich in dieselbe Richtung: die EU-Strategie zur Katastrophenvorsorge basiert auf einem gesamtgesellschaftlichen Vorsorgeansatz; das Europäische Klimarisikobewertung zeigt, dass Klimarisiken bereits systemischer Natur sind und verschiedene Sektoren betreffen. Wer heute seine Schwachstellen erkennt, ist morgen besser dran Aus meiner Sicht beim CSCP und auch vor dem Hintergrund meiner unternehmerischen Erfahrung kristallisiert sich eine Erkenntnis ganz deutlich heraus: Organisationen, die sich heute die Zeit nehmen, ihre Schwachstellen zu verstehen, werden morgen besser auf das Handeln vorbereitet sein. Es geht nicht darum, jede mögliche Störung vorherzusagen. Es geht darum, früh genug die richtigen Fragen zu stellen. Welche Materialien, Lieferanten oder Partner sind von entscheidender Bedeutung? Wo sind wir von langen, anfälligen oder undurchsichtigen Lieferketten abhängig? Welche Prozesse würden als Erstes ausfallen, wenn ein wichtiger Vorleistungsfaktor plötzlich nicht mehr verfügbar wäre? Wo haben wir bereits Möglichkeiten, uns anzupassen, Alternativen zu finden oder anders zusammenzuarbeiten? Unternehmen können diese Fragen nutzen, um Abhängigkeiten von Schlüsselmaterialien, Lieferanten, IT-Anbietern, Logistikwegen oder Energiequellen zu ermitteln. Städte können damit testen, welche lebenswichtigen Systeme bei Hitzewellen, Überschwemmungen oder Energie- und Kraftstoffengpässen als Erstes unter Druck geraten würden: Altenpflege, öffentlicher Nahverkehr, Wasserversorgung, Krankenhäuser oder Rettungsdienste. Die Zivilgesellschaft kann sie nutzen, um zu hinterfragen, wer erreicht wird, wer außen vor bleibt, wem vor Ort Vertrauen entgegengebracht wird und wie Katastrophenvorsorge den sozialen Zusammenhalt stärken kann, anstatt bestehende Ungleichheiten zu vertiefen. Die EU Strategischer Zukunftsbericht 2025 definiert Resilienz als eine zukunftsorientierte Fähigkeit, und Deutschlands Deutschland-Monitor 2025 Das sagt viel darüber aus, wie Menschen mit Veränderungen und Reformen umgehen. Resilienz beginnt damit, zu wissen, wovon wir abhängig sind Über Resilienz zu sprechen hat zudem den großen Vorteil, dass es Selbstbewusstsein schafft. Wenn Organisationen ihre Abhängigkeiten erfassen, erhalten sie ein klareres Bild von ihren Stakeholdern, ihren Stärken und ihren blinden Flecken. Sie verstehen besser, welche Kunden, Auftraggeber, Lieferanten, lokalen Akteure und öffentlichen Partner sie in die Vorbereitungsmaßnahmen einbeziehen müssen. Dieses Wissen kann zu stärkeren Beziehungen, größerem Vertrauen und mehr Zuversicht in die eigene Reaktionsfähigkeit führen. Hinzu kommt eine Innovationsdimension. Sobald kritische Abhängigkeiten sichtbar werden, entstehen oft neue Lösungen. Manche Materialien lassen sich möglicherweise ersetzen. Bei manchen Lieferanten kann eine Diversifizierung erfolgen. Manche Prozesse können so umgestaltet werden, dass sie auf lokalere, leichter zu verwaltende oder kreislaufwirtschaftlichere Lieferketten zurückgreifen. In diesem Sinne ist Resilienzdenken ein Motor für Innovation. Wir müssen den Schritt von der bloßen Konfrontation hin zur Eigenverantwortung vollziehen Die vielleicht wichtigste Veränderung ist psychologischer Natur: Resilienz hilft Organisationen dabei, von einem Gefühl der Verletzlichkeit zu einem Gefühl der Bereitschaft zu gelangen. Sie festigt die Erkenntnis, dass Städte, Unternehmen und die Zivilgesellschaft nicht bloß passive Opfer des Wandels sind. Sie können gemeinsam Reaktionen gestalten, Entscheidungen treffen und Kapazitäten aufbauen. Die Frage ist nicht, ob der Druck auf Städte, Unternehmen und Gemeinden anhalten wird. Das wird er. Die eigentliche Frage ist, ob wir bereit sind, Kapazitäten aufzubauen, um reagieren zu können, bevor der Druck zu einer Krise eskaliert? Ganz gleich, ob Sie eine Stadt, ein Unternehmen oder ein Vertreter der Zivilgesellschaft sind – es gibt einen Platz am Tisch für Sie, denn Resilienz entsteht gemeinsam! Bei der bevorstehenden Veranstaltung werden wir uns eingehend mit dem Thema Resilienz befassen. Circular Week 2026—Sei dabei und mach mit bei der Diskussion! Bei allen weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Alexander Mannweiler direkt!