KI und digitale Produktpässe: Impulse für die Innovation kreislaufwirtschaftlicher Geschäftsmodelle in Städten Städte sind Orte, an denen sich riesige Materialströme konzentrieren, doch Kreislaufmodelle haben nach wie vor gegenüber linearen Modellen das Nachsehen. Könnte Digitale Produktpässe (DPPs) und Künstliche Intelligenz (KI) Veränderungen in großem Maßstab bewirken? Wo wir heute stehen Optionen wie Reparatur, Weitergabe, Wiederverwendung und Aufarbeitung scheitern oft an Preis, Komfort und Umfang gegenüber dem Neukauf. Außerdem konzentrieren wir uns allzu oft darauf, wie wir Abfall besser bewältigen können, anstatt zu prüfen, wie sich Kreislaufwirtschaftsmodelle umsetzen lassen, bevor Produkte zu Abfall werden. Bei jedem Produkt, jeder Komponente oder jedem Material sollten folgende Fragen im Mittelpunkt stehen: Kann man es wiederverwenden? Lohnt es sich, es zu reparieren? Soll es generalüberholt, in Einzelteile zerlegt oder recycelt werden? Jede Option ist mit unterschiedlichen Kosten, Erlösen, Risiken und Auswirkungen verbunden. Die technische und wirtschaftliche Machbarkeit, auf der Kreislaufgeschäftsmodelle beruhen, ist keineswegs selbstverständlich – Ausnahmen bestätigen die Regel. Ein Grund dafür, dass diese Modelle oft nur schwach ausgeprägt sind, ist der Informationsmangel: Die Akteure der Wertschöpfungskette wissen selten genug über den Zustand, die Materialzusammensetzung, die Vorgeschichte oder den Restwert eines gebrauchten Produkts, um sicher handeln zu können. Wie könnte der „Digital Product Passport“ die Spielregeln verändern? Digitale Produktpässe sollen dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Ein DPP erfasst, woraus ein Produkt besteht, wie es repariert werden kann und was im Laufe seines Lebens mit ihm geschehen ist – und macht diese Informationen nicht nur dem Erstkäufer, sondern auch Reparaturbetrieben, Recyclingunternehmen, zukünftigen Eigentümern und anderen relevanten Akteuren zugänglich. Dadurch lassen sich physische Objekte leichter bewerten, bepreisen, mit einer Garantie versehen, finanzieren oder beschaffen. Auf diese Weise können DPPs bereits vor der Abfallentsorgung zu besseren Entscheidungen im Sinne der Kreislaufwirtschaft beitragen. Wie passt KI in dieses Bild? Künstliche Intelligenz erweist sich als nützlich, wenn solche Produktinformationen in großem Umfang analysiert werden können. KI kann dabei helfen, den Restwert zu schätzen, Ausfallrisiken vorherzusagen, fehlende Informationen zu identifizieren, wiedergewonnene Teile dem Bedarf zuzuordnen, Reparaturen mit dem Austausch zu vergleichen oder Produkte an qualifizierte Reparatur-, Aufbereitungs- oder Recyclingunternehmen weiterzuleiten. Ihr Nutzen liegt darin, Unsicherheiten zu verringern, wenn Entscheidungen im Kreislaufwirtschaftskontext zu komplex, fragmentiert oder zeitaufwendig sind, um sie manuell zu treffen. Allerdings kann KI fehlende, qualitativ minderwertige oder unzugängliche Daten nicht kompensieren. KI und DPPs auf der Circular Week 2026 zusammenbringen Die Kombination aus KI und DPPs könnte die Wirtschaftlichkeit von Kreislaufgeschäftsmodellen durchaus verändern. Bessere Informationen senken die Kosten für die Suche, Prüfung und Zuordnung von Gebrauchtwaren, erleichtern die Bewertung des Restwerts und unterstützen Modelle wie „Repair-as-a-Service“, Aufarbeitungsverträge, die Beschaffung von Wiederverwendungsgütern oder Second-Hand-Marktplätze. Bei diesem Prozess geht es jedoch nicht nur um eine technologische Lösung. Digitale und technologische Fortschritte sind ein wichtiger Teil des Kreislaufpuzzles, doch ihre Wirkung hängt von ergänzenden Maßnahmen in den Bereichen Politik, Regulierung, Finanzierung, Sekundärmärkte sowie Anreizen für Langlebigkeit, Wiederverwendung und Reparatur ab. “Hier können Städte eine fördernde Rolle spielen. Durch öffentliche Auftragsvergabe, Genehmigungen, Infrastruktur, lokale Partnerschaften und gemeinsame Datenplattformen können sie dazu beitragen, die Voraussetzungen zu schaffen, unter denen Kreislaufdienstleistungen rentabel werden”, sagt Arne von Hofe, Senior-Experte beim CSCP. Städte können zudem die Akteure zusammenbringen, die erforderlich sind, damit diese Modelle funktionieren – von kommunalen Versorgungsunternehmen und Reparaturnetzwerken bis hin zu Herstellern, Logistikdienstleistern, Unternehmen und neutralen Datenplattformen. Mach mit und hilf uns dabei, vor Ort etwas zu bewegen! Die größten Hindernisse sind selten rein technischer Natur. Dort, wo Produktdaten Entscheidungen beeinflussen und lokale Partner auf der Grundlage dieser Entscheidungen tragfähige Märkte aufbauen, könnten KI und DPPs echte Chancen für die Entwicklung innovativer Kreislaufgeschäftsmodelle in Städten eröffnen. Das ist genau die Art von Frage, die wir gemeinsam mit Ihnen in der Praxis im Rahmen unserer speziellen Sitzung der CircularTechForum am Rundschreibenwoche im Oktober 2026. Nehmen Sie Kontakt auf mit Arne von Hofe Bei weiteren Fragen!