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Triebkräfte und Hemmnisse für den Verbrauch alternativer Proteine in Europa

Was motiviert die Menschen, neue Proteinoptionen zu wählen, und was hält sie davon ab? In 11 europäischen Ländern untersuchten die Verbraucher, wie Veränderungen in den Bereichen Auswahl, Umwelt, Kommunikation und Kultur die Ernährung auf alternative Proteine umstellen können. Die Ergebnisse zeigen, was nötig ist, damit nachhaltige alternative Proteine zu einer realistischen Wahl im Alltag werden.

Der Übergang zu einer gesünderen und nachhaltigeren Ernährung steht in Europa ganz oben auf der Agenda, doch der Fortschritt hängt davon ab, ob die Bürger bereit und in der Lage sind, sich anders zu entscheiden. Um diese Dynamik in der realen Welt besser zu verstehen, hat das von der EU finanzierte Projekt LIKE-A-PRO eine Serie gestartet von Living Labs in 11 Ländern (Norwegen, Dänemark, Finnland, den Niederlanden, Polen, Slowenien, Griechenland, Deutschland, Spanien, der Türkei und Italien).

Bei diesen Labors wurden die Bürgerinnen und Bürger direkt in vertraute Konsumumgebungen wie Supermärkte, Kantinen, Wohnungen und Nachbarschaften eingebunden, wodurch alltägliche Lebensmittelentscheidungen zu Lernmomenten wurden.

Die Teilnehmer erforschten, wie alternative Proteine in ihren Lebensstil passen, indem sie unter Anleitung Entdeckungen machten, sensorische Tests durchführten und mitgestalteten und so herausfanden, was ihre Entscheidungen wirklich beeinflusst. Ein detaillierter Überblick über den Prozess der LIKE-A-PRO Living Labs ist in der Living Labs Governance-Rahmen und Handbuch zur Durchführung von Living Labs Berichte.

Ausgehend von der Rahmen für die Auswahl der Verbraucher, Bei jeder Living Lab-Iteration wurden wichtige Erkenntnisse über das Verhalten gewonnen. Einige davon sind im Folgenden zusammengefasst:

Bearbeitung der Auswahl - Bearbeitung des Portfolios der verfügbaren Produkte

Die Teilnehmer sprachen sich dafür aus, den Stellenwert von Lebensmitteln mit hohem Fußabdruck zu verringern, insbesondere wenn die Absicht und die Vorteile klar waren. Die Einschränkung weniger nachhaltiger Optionen, z. B. in Buffet-Layouts oder Ladengängen, trug dazu bei, von Gewohnheit und Markentreue geprägte “Autopilot”-Entscheidungen zu reduzieren. Wichtig ist, dass Fairness und Wahlfreiheit nicht verhandelbare Werte bleiben.

Erweiterung der Auswahlmöglichkeiten - bessere Optionen sichtbar und realisierbar machen

Die Kaufbereitschaft der Verbraucher stieg erheblich, wenn alternative Proteine leicht zu finden waren, gut vermarktet wurden und preislich wettbewerbsfähig waren. Die Neugierde wuchs, wenn die Produkte so aussahen, so schmeckten und so zubereitet werden konnten wie die vertrauten Lieblingsprodukte, so dass eine Umstellung möglich war, ohne dass der Lebensstil geändert werden musste. Die Teilnehmer betonten, dass Neues spannend ist, wenn es auf Vertrautheit beruht.

Wahlmöglichkeiten - Verbraucher mit Vertrauen und Neugierde führen

Erste Geschmackserlebnisse, wie Kostproben oder Kochdemonstrationen, halfen, anfängliches Zögern zu überwinden. Soziale Beweise (“andere entscheiden sich für dieses Produkt”) stärkten das Vertrauen, insbesondere bei vorsichtigeren Verbrauchern. Klare, glaubwürdige Informationen auf Etiketten und am Verkaufsort schaffen Vertrauen, während übermäßige Details zu Verwirrung und Desinteresse führen.

Mehr als nur eine Wahl - Identität, Kultur und Emotionen einbeziehen

Ernährungstraditionen prägen stark das Gefühl, “richtig” zu sein. Die Teilnehmer begrüßten nachhaltige Optionen, die die lokale Küche ergänzen, anstatt sie zu ersetzen. Positive und ermutigende Narrative wie Geschmack, Genuss und Stolz wurden gegenüber verlustbasierten Ansätzen bevorzugt.

Letztlich sind die Ergebnisse unserer LIKE-A-PRO Iterationen deuten darauf hin, dass eine langfristige Umstellung auf eine nachhaltige Ernährung nicht dadurch gelingen wird, dass die Verbraucher aufgefordert werden, ihren Lebensstil völlig aufzugeben, sondern dass sie in die Lage versetzt werden, sich nachhaltig zu ernähren, ohne dabei auf Authentizität, kulturelle Relevanz und Freude zu verzichten.

“Zuerst muss es gut schmecken - dann kommt die Nachhaltigkeit”, so ein Living Lab-Teilnehmer aus Spanien.

Die vollständigen Erkenntnisse, einschließlich der länderspezifischen Unterschiede und detaillierten Präferenztrends, sind jetzt in der Living Lab Insight Bericht,  eine nützliche Ressource für Unternehmen, die neue Produkte entwickeln, für politische Entscheidungsträger, die Ernährungsstrategien entwerfen, und für Gemeinden, die das tägliche Wohlbefinden verbessern wollen.

Diese Erkenntnisse bilden bereits die Grundlage für die nächste Phase: Verhaltenspilotprojekte, in denen vielversprechende Maßnahmen in Privathaushalten, Kantinen und im Einzelhandel erprobt werden, sowie neue Steuerungsmechanismen zur Förderung der lokalen Akzeptanz und langfristigen Einführung.

Die Europäer sind bereit, nachhaltige Lebensmittel auf ihre Teller zu bringen. Die Frage ist nun: (wie) wird das Lebensmittelsystem mithalten?

Für weitere Informationen und Kooperationsmöglichkeiten wenden Sie sich bitte an Arlind Xhelili.

Foto von Nathan Dumlao auf Unsplash.

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