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3 Fragen zu Resilienz und Infrastruktur mit Esther Heidbüchel

Bei der städtischen Resilienz geht es nicht darum, sich wieder aufzurappeln, wenn etwas schiefgeht, argumentiert Dr. Esther Heidbüchel, leitende Projektmanagerin beim CSCP. Lesen Sie, wie ihrer Meinung nach zirkuläre Ansätze Städten helfen können, besser zu reagieren, sich anzupassen und sich zu wandeln, wenn sich die Rahmenbedingungen ändern.

Städte sind mit dem Klimawandel, Ressourcenknappheit und geopolitischer Unsicherheit konfrontiert. Wie kann die Kreislaufwirtschaft dazu beitragen, dass Städte widerstandsfähiger werden?

Die Kreislaufwirtschaft erfordert, dass Städte ihre kritischen Wertströme kennen und über starke Kooperationsnetzwerke verfügen. Dies sind Voraussetzungen für die Aufrechterhaltung der wirtschaftlichen und sozialen ‘Normalität’ in Krisensituationen.

Durch die Lokalisierung von Ressourcenkreisläufen für Wasser, Lebensmittel, Energie und Materialien verringern kreislauforientierte Städte die Abhängigkeit von anfälligen globalen Lieferketten und schaffen Puffer gegen geopolitische Schocks und Preisschwankungen.

Indem sie Abfallströme verwerten und Produkte sowie Materialien im Umlauf halten, verringern sie das Risiko von Ressourcenengpässen und erschließen gleichzeitig alternative Einnahmequellen durch zurückgewonnene Nährstoffe, Sekundärrohstoffe und gemeinsam genutzte Vermögenswerte.

Digitale Instrumente, die städtische Material- und Energieflüsse nicht nur erfassen, sondern auch steuern können, verbessern die Frühwarnung und das adaptive Management bei extremen Wetterereignissen oder Infrastrukturausfällen zusätzlich.

Schließlich können Kreislaufstrategien wie industrielle Symbiose, Reparatur- und Wiederverwendungswirtschaft sowie naturbasierte Lösungen die städtischen Funktionen diversifizieren und die Abhängigkeit von einzelnen Systemen verringern. Dies schafft mehr Flexibilität: Wenn ein System ausfällt, können andere Systeme helfen, dies auszugleichen.

In Verbindung mit starken Netzwerken der Interessengruppen und einem Gemeinschaftsgefühl ermöglicht diese Flexibilität es kreislauforientierten Städten, sich nicht nur von Störungen zu erholen, sondern sich auch anzupassen und den Weg zu nachhaltigeren und gerechteren Stadtmodellen einzuschlagen.

Wie können Städte widerstandsfähig werden und gleichzeitig gerecht und inklusiv bleiben?

Eine Stadt ist nicht widerstandsfähig, wenn sie nicht gerecht und inklusiv ist. Eine Stadt wird nur dann widerstandsfähig, wenn Gleichheit und Gerechtigkeit in jeden Schritt der Stadtplanung und -umsetzung eingebettet werden. Das bedeutet, Investitionen in Stadtteile zu priorisieren, die am stärksten von den Auswirkungen von Naturkatastrophen und wirtschaftlichen Notlagen betroffen sind, und sicherzustellen, dass Maßnahmen zur Klimaanpassung wie grüne Infrastruktur, Hochwasserschutz und Kühlstrategien die Gleichheit fördern.

Partizipative Regierungsführung ist unerlässlich: Anwohner, zivilgesellschaftliche Organisationen, Unternehmen jeder Größe und marginalisierte Gruppen sollten in die Festlegung von Prioritäten, die gemeinsame Entwicklung von Lösungen, die Unterstützung bei der Umsetzung und die Überwachung der Ergebnisse einbezogen werden.

Ein gerechter Wandel erfordert zudem gezielte sozialpolitische Maßnahmen: Vorgaben für bezahlbaren Wohnraum, barrierefreie öffentliche Verkehrsmittel, Qualifizierungsmaßnahmen für grüne Arbeitsplätze sowie finanzielle Unterstützung für Haushalte mit geringem Einkommen zur Sanierung von Gebäuden oder zur Umsetzung kreislaufwirtschaftlicher Praktiken. Durch die Verknüpfung von Strategien der Kreislaufwirtschaft (Reparaturzentren, kommunale Kompostieranlagen und Zentren für die Wiederverwendung von Materialien) mit lokalen Zielen in den Bereichen Beschäftigung und soziale Inklusion können Städte gemeinsame Vorteile schaffen und gleichzeitig die Umweltbelastung verringern.

Was ist ein weit verbreitetes Missverständnis in Bezug auf widerstandsfähige Infrastrukturen auf städtischer Ebene, das Sie gerne widerlegen möchten?

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass die Widerstandsfähigkeit von Städten in erster Linie ein feststehender Zustand ist. Es geht nicht darum, den Fokus ausschließlich auf die Robustheit gegenüber beispielsweise starken Regenfällen, Überschwemmungen, Stürmen oder Sabotage zu legen; vielmehr geht es um Anpassungsfähigkeit und Reaktionsfähigkeit.

Eine eng gefasste, technisch orientierte Sichtweise birgt die Gefahr, Resilienz lediglich als “Erholung” nach einem Schock zu betrachten, anstatt die Fähigkeit aufzubauen, unter sich ändernden Bedingungen vorausschauend zu handeln, Schocks abzufedern, sich anzupassen und Veränderungen zu gestalten. In der Praxis kann dies dazu führen, dass in immer höhere Mauern oder größere Entwässerungssysteme investiert wird, während systemische Schwachstellen wie Landnutzungsmuster, soziale Ungleichheiten oder Abhängigkeiten von fragilen Lieferketten außer Acht gelassen werden.

Ein sinnvollerer Ansatz betrachtet resiliente Infrastruktur als Teil eines sozio-ökologisch-technischen Systems, das in den meisten plausiblen Zukunftsszenarien funktionsfähig und gerecht bleibt. Das bedeutet, auf Flexibilität und Redundanz zu setzen, naturbasierte Lösungen neben technischen Maßnahmen zu nutzen und partizipative Prozesse einzubinden, damit Anpassungswege lokales Wissen und vielfältige Bedürfnisse widerspiegeln. Wenn Städte nicht nur auf Robustheit, sondern auch auf Anpassungsfähigkeit setzen, verwandeln sie Resilienz von einem defensiven Konzept in einen Motor für nachhaltige städtische Innovation.

Mitmachen Dr. Esther Heidbüchel auf der Online-Konferenz der Circular Week 2026. Registrieren Sie sich hier lesen. um dir deinen Platz zu sichern!

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Bei allen weiteren Fragen wenden Sie sich bitte an Nils Kreft.

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